#16 FloraissanceHistorische Schönheit

01 Historic Beauty

Detail of Roses (1890) – Vincent van Gogh

02 Historic Beauty

Detail of Roses (1890) – Vincent van Gogh

Rosen
neu erfunden

Die Künstlerin Thirza Schaap kreiert wunderschöne Sträuße aus Abfällen, die sie bei ihren langen Morgenspaziergängen findet. Ihre atemberaubende Arbeit hat eine ganz besondere ästhetische Anziehungskraft, die sogar durch recycelten Kunststoff die Schönheit der Natur zeigt. Für The Green Gallery hat sie diese einzigartigen weißen Rosen erschaffen_______.

03 Historic Beauty

Rosen (1890) - Vincent van Gogh

04 Historic Beauty
IN DEN AUGEN VAN GOGHS WAREN ALLE BLÜHENDEN PFLANZEN EIN FEST DER GEBURT UND ERNEUERUNG — EBEN VOLLER LEBEN

Vortritt für die Rosen

Thirza: „Diese erstaunlichen Rosen-Gemälde von Van Gogh habe ich kennengelernt, als ich noch ein junges Mädchen war und die Met besuchte. Ich erinnere mich noch daran, wie schön sie für mich aussahen. Ich vermisse weiße Rosen in Afrika... Man sieht sie hier nicht oft. Vor kurzem habe ich ein Stillleben aus Meeresplastik geschaffen, inspiriert von einem Gemälde von Henri Fantin-Latour, mit dem Titel „Weiße Rosen“. Und gleich darauf kam die passende Einladung von The Green Gallery, mich von den Rosen Van Goghs inspirieren zu lassen. Bei meiner Arbeit lasse ich mich von floralen Kompositionen und Farben leiten. Ich schätze Blumen und ihre schönen Farbtöne, sie beflügeln mich. Dieses besondere Grün, das dieses Gemälde dominiert, habe ich bisher nur einmal in meiner Arbeit verwendet. Daher hat es Spaß gemacht, es wieder einzusetzen. Farben können bei mir tiefste Emotionen wecken. Für mich ist eine Arbeit erst fertig, wenn sie auch beim Betrachter ein solches Gefühl auslöst.“

06 Historic Beauty

Rosen (1890) - Vincent van Gogh

„ALLES DREHT SICH UM DIE FEINHEIT DER BLÜTEN, DIE FÜLLE UND DIE UNGLAUBLICHEN FARBKOMBINATIONEN, DIE SIE VOR DIR AUSBREITEN_______.“
05 Historische Schönheit

Die Fotografin Thirza Schaap (1971) lebt und arbeitet seit 2013 in Amsterdam und in Kapstadt, Südafrika, nachdem sie an der Royal Academy of Visual Arts in Den Haag studiert hat. Sie begann mit der Arbeit an ihrer wunderschönen Plastic Ocean Kollektion – farbenfrohe Plastiksträuße und Fotografien davon – um Bewusstsein für die Verschmutzung durch Plastikmüll zu schaffen und die Natur zu ehren. An der Küste Südafrikas sammelt sie weggeworfene Flaschen, Angelschnüre, Kappen, Ballons, Schuhe, Gabeln und Löffel, Zahnbürsten, Strohhalme und Einkaufstaschen. Zu Hause verwandelt sie diese in fantasievolle, pastellfarbene Arrangements, inspiriert von den Blumensträußen auf ihrem Gartentisch.

07 Historic Beauty
08 Historic Beauty
09 Historic Beauty
05 Historische Schönheit

Die Fotografin Thirza Schaap (1971) lebt und arbeitet seit 2013 in Amsterdam und in Kapstadt, Südafrika, nachdem sie an der Royal Academy of Visual Arts in Den Haag studiert hat. Sie begann mit der Arbeit an ihrer wunderschönen Plastic Ocean Kollektion – farbenfrohe Plastiksträuße und Fotografien davon – um Bewusstsein für die Verschmutzung durch Plastikmüll zu schaffen und die Natur zu ehren. An der Küste Südafrikas sammelt sie weggeworfene Flaschen, Angelschnüre, Kappen, Ballons, Schuhe, Gabeln und Löffel, Zahnbürsten, Strohhalme und Einkaufstaschen. Zu Hause verwandelt sie diese in fantasievolle, pastellfarbene Arrangements, inspiriert von den Blumensträußen auf ihrem Gartentisch.

Vortritt für die Rosen

Thirza: „Diese erstaunlichen Rosen-Gemälde von Van Gogh habe ich kennengelernt, als ich noch ein junges Mädchen war und die Met besuchte. Ich erinnere mich noch daran, wie schön sie für mich aussahen. Ich vermisse weiße Rosen in Afrika... Man sieht sie hier nicht oft. Vor kurzem habe ich ein Stillleben aus Meeresplastik geschaffen, inspiriert von einem Gemälde von Henri Fantin-Latour, mit dem Titel „Weiße Rosen“. Und gleich darauf kam die passende Einladung von The Green Gallery, mich von den Rosen Van Goghs inspirieren zu lassen. Bei meiner Arbeit lasse ich mich von floralen Kompositionen und Farben leiten. Ich schätze Blumen und ihre schönen Farbtöne, sie beflügeln mich. Dieses besondere Grün, das dieses Gemälde dominiert, habe ich bisher nur einmal in meiner Arbeit verwendet. Daher hat es Spaß gemacht, es wieder einzusetzen. Farben können bei mir tiefste Emotionen wecken. Für mich ist eine Arbeit erst fertig, wenn sie auch beim Betrachter ein solches Gefühl auslöst.“

Blumensträuße modellieren

„Die Wurzeln dessen, was ich gern tue, liegen in meiner Jugend... Darin, sehr früh aufzuwachen und irgendetwas zu tun, nur um die Zeit totzuschlagen. Oder meiner Mutter bei der Arbeit in ihrem Blumenladen zuzusehen. Ich habe all das jahrelang vergessen. Während meiner Reisen habe ich festgestellt, dass ich durch das Leben in der Stadt so viel versäumt habe. Ich sehnte mich wirklich nach der Natur. Ich fing an, mich neu zu erfinden und die zu werden, die ich sein wollte. Dazu gehört, die Welt mit den Augen eines Kindes zu betrachten, wie begeistert sie von den Dingen sind, die sie zum ersten Mal sehen. Fast meditativ habe ich begonnen, nicht nur Fotos, sondern auch Skulpturen zu gestalten. Ich fing an, meine Taschen mit Müll zu füllen statt mit kostbaren Dingen. Die fertigen Skulpturen wurden dann oft zu einer Art Strauß oder einem floralen Arrangement. Plastic Ocean steht feiert die Blumen und die Natur.“

„ALLES DREHT SICH UM DIE FEINHEIT DER BLÜTEN, DIE FÜLLE UND DIE UNGLAUBLICHEN FARBKOMBINATIONEN, DIE SIE VOR DIR AUSBREITEN_______.“
06 Historic Beauty

Rosen (1890) - Vincent van Gogh

Text
Rosanne Loffeld

Styling und Fotografie
Thirza Schaap

Florale Anziehungskraft

Thirza: „Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, spazierte meine Mutter eigentlich immer durch den Garten, voller Liebe für ihre Blumen, sie wertschätzend und pflegend, und lehrte mich ihre Namen. Jetzt macht alles einen Sinn. Ich benutze die Formen der Blumen als Inspiration und stelle meine Plastikfunde zu einem Blumenstrauß zusammen. Es geht um das Zarte der Blumen, die Fülle und ihre unglaublichen Farbkombinationen. Das ist es, was ich an der Natur so faszinierend finde, insbesondere an Blumen. Unsere Strände sind mit Plastikkonfetti bedeckt, und das ist wirklich kein Grund zum Feiern. Um dafür das Bewusstsein zu wecken, nutze ich das Gefühl, das eine Blume in mir und anderen auslöst. Ich versuche, mein Publikum auf die gleiche Weise zu verführen. Ich lade sie ein, sich die Kompositionen aus meinem Ocean Plastik anzusehen, sich von ihrer Ästhetik anziehen zu lassen. Es entsteht ein Konflikt zwischen dieser anfänglichen ästhetischen Attraktivität und – nach einem zweiten Blick – Abscheu; wenn man plötzlich die Tragik erkennt, was Müll mit unserer schönen Natur anrichtet_______.“

10 Historische Schönheit

Über Van Goghs Gemälde

„Rosen“ entstand kurz vor der Entlassung Van Goghs (1853-1890) aus dem Asyl in Saint-Rémy. Er spürte, dass er mit seiner Krankheit – und mit sich selbst – ins Reine kam. Für diesen Heilungsprozess war die Malerei von entscheidender Bedeutung. Während der letzten drei Wochen seiner Genesung schrieb er seinem Bruder Theo, er habe „wie im Rausch“ gearbeitet. „Großartige Blumensträuße, violette Iris, riesige Rosenbouquets…" Beide Rosenbilder von Van Gogh entstanden in dieser Zeit. Sie gehören zu seinen größten und schönsten Stillleben, mit ausladenden Sträußen in der Pracht der vollen Blüte. In den Augen Van Goghs waren alle blühenden Pflanzen ein Fest der Geburt und Erneuerung – eben voller Leben. Dieser Eindruck wird hier durch das frische Grün des Hintergrunds noch verstärkt.

10 Historische Schönheit

Über Van Goghs Gemälde

„Rosen“ entstand kurz vor der Entlassung Van Goghs (1853-1890) aus dem Asyl in Saint-Rémy. Er spürte, dass er mit seiner Krankheit – und mit sich selbst – ins Reine kam. Für diesen Heilungsprozess war die Malerei von entscheidender Bedeutung. Während der letzten drei Wochen seiner Genesung schrieb er seinem Bruder Theo, er habe „wie im Rausch“ gearbeitet. „Großartige Blumensträuße, violette Iris, riesige Rosenbouquets…" Beide Rosenbilder von Van Gogh entstanden in dieser Zeit. Sie gehören zu seinen größten und schönsten Stillleben, mit ausladenden Sträußen in der Pracht der vollen Blüte. In den Augen Van Goghs waren alle blühenden Pflanzen ein Fest der Geburt und Erneuerung – eben voller Leben. Dieser Eindruck wird hier durch das frische Grün des Hintergrunds noch verstärkt.

Blumensträuße modellieren

„Die Wurzeln dessen, was ich gern tue, liegen in meiner Jugend... Darin, sehr früh aufzuwachen und irgendetwas zu tun, nur um die Zeit totzuschlagen. Oder meiner Mutter bei der Arbeit in ihrem Blumenladen zuzusehen. Ich habe all das jahrelang vergessen. Während meiner Reisen habe ich festgestellt, dass ich durch das Leben in der Stadt so viel versäumt habe. Ich sehnte mich wirklich nach der Natur. Ich fing an, mich neu zu erfinden und die zu werden, die ich sein wollte. Dazu gehört, die Welt mit den Augen eines Kindes zu betrachten, wie begeistert sie von den Dingen sind, die sie zum ersten Mal sehen. Fast meditativ habe ich begonnen, nicht nur Fotos, sondern auch Skulpturen zu gestalten. Ich fing an, meine Taschen mit Müll zu füllen statt mit kostbaren Dingen. Die fertigen Skulpturen wurden dann oft zu einer Art Strauß oder einem floralen Arrangement. Plastic Ocean steht feiert die Blumen und die Natur.“

Florale Anziehungskraft

Thirza: „Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, spazierte meine Mutter eigentlich immer durch den Garten, voller Liebe für ihre Blumen, sie wertschätzend und pflegend, und lehrte mich ihre Namen. Jetzt macht alles einen Sinn. Ich benutze die Formen der Blumen als Inspiration und stelle meine Plastikfunde zu einem Blumenstrauß zusammen. Es geht um das Zarte der Blumen, die Fülle und ihre unglaublichen Farbkombinationen. Das ist es, was ich an der Natur so faszinierend finde, insbesondere an Blumen. Unsere Strände sind mit Plastikkonfetti bedeckt, und das ist wirklich kein Grund zum Feiern. Um dafür das Bewusstsein zu wecken, nutze ich das Gefühl, das eine Blume in mir und anderen auslöst. Ich versuche, mein Publikum auf die gleiche Weise zu verführen. Ich lade sie ein, sich die Kompositionen aus meinem Ocean Plastik anzusehen, sich von ihrer Ästhetik anziehen zu lassen. Es entsteht ein Konflikt zwischen dieser anfänglichen ästhetischen Attraktivität und – nach einem zweiten Blick – Abscheu; wenn man plötzlich die Tragik erkennt, was Müll mit unserer schönen Natur anrichtet_______.“

Text
Rosanne Loffeld

Styling und Fotografie
Thirza Schaap